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PatenportraitsStephanie und Sophie*![]() Stephanie Arlt ist Anfang 30, arbeitet als pharmazeutisch-technische Assistentin und lebt in einer festen Beziehung. Alles läuft rund. Ein Arbeitsplatzwechsel lässt ihr etwas mehr Zeit, die sie für ein ehrenamtliches Engagement nutzen möchte. „Ich wollte gerne etwas für und mit Kindern machen. Mit Kindern bin ich immer gut zu recht gekommen“, sagt Stephanie Arlt. Die Idee von Kinderpatenschaften gefällt ihr, sie informiert sich bei zwei Projekten und entscheidet sich für Die Fünfte Hand. „Im Patenworkshop hat uns der Projektkoordinator Günter Porath von den Kindern aus familienanalogen Wohngruppen erzählt. Da wusste ich, dass ich mich um eines dieser Kind kümmern möchte“, sagt die Patin. Kinder, die in familienanalogen Wohngruppen leben, haben entweder keine Eltern oder können aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben. Die Kinder und Jugendlichen leben mit einer Erzieherin in einer kleinen, familienähnlich strukturierten Lebensgemeinschaft. „Für die Wohngruppen-Kinder habe ich mich mehr interessiert, weil ich das Gefühl hatte, dass sie eine Patin als Bezugsperson mehr brauchen als Kinder, die bei einem Elterteil wohnen. Mein Patenkind Sophie erhält nur Besuch von mir“, berichtet Stephanie Arlt. Seit mehr als einem Jahr ist sie jetzt Patin der 9-jährigen Sophie. „Vor dem ersten Treffen war ich sehr aufgeregt. Ich wurde herzlich von der ganzen Wohngruppe empfangen und war positiv überrascht vom Wohnumfeld. Die Erzieherin Frau Schenk hat sich dann mit mir und Sophie in einen gesonderten Raum gesetzt, wo wir uns unterhalten und besser kennen lernen konnten“, berichtet die 32-Jährige. Inzwischen treffen sich Patin und Patenkind mindestens einmal die Woche, unter der Woche oder am Wochenende, je nachdem wie es die Arbeitszeit von Stephanie Arlt zulässt. „Am Anfang dachte ich, dass es besser wäre, sich in der Wohngruppe zu treffen. Später habe ich gemerkt, dass es Sophie gut tut, aus ihrem Wohnumfeld heraus zu kommen. Wir gehen Eis essen oder ins Einkaufszentrum, spielen Mensch ärgere Dich nicht, manchmal lesen Sophie und ich uns abwechselnd etwas vor. Ich habe sie auch schon zu meinen Eltern mitgenommen, um ihr das Zwergkaninchen zu zeigen. Und auch mein Zuhause und meinen Freund hat sie kennengelernt. Schließlich soll sie wissen, wie ich lebe“, sagt die zufriedene Patin. Sophie hat sich in der Zeit mit ihrer Patin verändert. „Am Anfang hat sie noch ausgetestet, was sie mit mir machen kann. Auch mit dem Abschied konnte sie nicht so gut umgehen, hat mal getreten oder wurde total unruhig. Inzwischen habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wie es ihr geht und wie viel ich mit ihr machen kann. In der Wohngruppe habe ich mich immer gut aufgehoben gefühlt. Wenn etwas war, haben wir uns darüber unterhalten und das zusammen diskutiert“, sagt Stephanie Arlt und ist sehr zufrieden mit ihrem Ehrenamt: „Ich bin gerne Patin. Mir macht es sehr viel Spaß, Zeit mit Sophie zu verbringen. Und ich merke auch, dass es Sophie sehr gut tut und sie sich positiv entwickelt.“ * Name geändert Ilse und Leon![]() Seit mehr als drei Jahren engagiert sich Ilse bei der Kontakt- und Beratungsstelle für Straßenjugendliche (KuB). Nachdem die 64-Jährige in Altersteilzeit gegangen war, hatte sie sich neu orientiert und sich ein Ehrenamt gesucht. Sie brachte sich beim Theaterprojekt der KuB ein und kocht noch immer einmal die Woche für obdachlose Jugendliche. Im letzten Jahr hörte sie dann von Die Fünfte Hand. Die Idee des Patenschaftsprojekts gefiel ihr. Als ihr dann der Freiwilligenkoordinator Günter Porath von Leon erzählte, hatte sie das Gefühl, dass diese Aufgabe genau die richtige für sie sein könnte. „Ich wollte gerne einen intensiven Kontakt zu einem Kind aufbauen, zwei Stunden wöchentlich wie sonst üblich bei Die Fünfte Hand erschienen mir zu wenig. Da passte es ganz gut, dass Leons Mutter einen Paten suchte, der dem Kind mehr Zeit widmen wollte“, sagt Ilse. Leons Mutter ist allein erziehend und Stewardess. Ein ständiger Stress war für sie die Betreuung von Leon bei wechselnden Personen. Sie suchte jemanden, der mehr als eine Betreuungsperson für ihren 13-jährigen Sohn ist. Jemanden, der echtes Interesse an ihm hat, der auf ihn eingehen kann und gerne für ihn da ist – und das auch über mehrere Tage, denn manchmal ist Leons Mutter drei bis vier Tage unterwegs. Genau das konnte Ilse sich vorstellen: Leon für mehrere Tage bei sich aufzunehmen und ganz normalen Alltag zu leben. „Ich bin ein spontaner Mensch, ich habe mir keine großen Gedanken über die Patenschaft gemacht. Ich habe einfach alles auf mich zukommen lassen. Die entscheidende Frage ist sowieso, ob die Chemie stimmt. Das ist das Risiko, das man erst einmal eingeht. Man weiß vorher nicht wirklich, wie das Kind reagiert und ob man zusammenpasst. Insofern war ich ganz entspannt“, sagt sie. Das erste Treffen mit Leon war ein gemeinsamer Besuch mit seiner Mutter bei Ilse. Sie tranken gemeinsam Kaffee und unterhielten sich gut. Schnell war klar, dass die Chemie stimmte – sowohl zwischen Leon und Ilse wie auch zwischen der Mutter und der Patin. „Obwohl wir vollkommen unterschiedliche Menschen sind, vertreten wir in vielen Dingen die gleichen Ansichten. Auch in Erziehungsfragen stimmen wir in den wichtigen Punkten überein, so dass eine gute Grundlage für ein positives Miteinander gegeben ist“, sagt Ilse. Inzwischen ist Ilse seit einem Jahr Leons Patin. „Wir haben uns im vergangenen Jahr sehr gut kennen gelernt und kommen bestens miteinander klar. Stundenlang können wir miteinander reden und diskutieren. Die Themen gehen uns nicht aus“, äußert sie sich zufrieden über die Patenschaft. Ilse hat die Erfahrung gemacht, dass eine Patenschaft sich ergibt. „Wichtig ist, dass ich mich auf das Kind einlasse und nicht umgekehrt. Es sind während der Schulzeit auch keine großen Dinge, die wir gemeinsam machen, Karten spielen, gemeinsam essen, reden, einkaufen, spazieren gehen. Das Wichtigste ist einfach nur Zeit zu haben. An den Wochenenden und in den Ferien haben wir Zeit für größere Unternehmungen“, sagt die engagierte Rentnerin. Die Fünfte Hand bietet regelmäßig Patentreffen an, die Ilse gerne besucht. Es sind nette Zusammenkünfte, bei denen auch pädagogische Themen zur Sprache kommen. Wichtig für die Paten ist ein kontinuierlicher Ansprechpartner, der mit Rat und Tat bei Bedarf zur Seite steht. Für Ilse zeichnet eine Patenschaft beiderseitiges Vertrauen aus, eine Vertrauensbasis zwischen dem Kind und dem Paten. Ein Pate ist in der Lage, Konflikte aufzufangen oder zu mildern. Ein Pate kann als Puffer fungieren, denn er gehört als Außenstehender nicht zur Familie. „Für mich persönlich ist die Patenschaft eine Erfüllung. Ich freue mich sehr, wenn Leon kommt. Er bedeutet mir inzwischen sehr viel. Die Patenschaft erlebe ich als intensive Aufgabe“, sagt sie. Auch Leons Mutter kann sich jetzt beruhigt ihrem Job widmen. Sie weiß, dass Leon sich bei Ilse wohl fühlt und zufrieden ist. Das ist für sie die Hauptsache. Familienanschluss für Richard Z.Mit 62 Jahren wagte Richard Z. noch einmal einen Neuanfang: Er zog nach Berlin. Hier suchte er nach Möglichkeiten sich zu betätigen und nach Kontakten: „Neben dem Wunsch nach einem sinnvollen ehrenamtlichen Engagement wollte ich auch Anschluss in meiner neuen Heimat finden.“ Er wurde aufmerksam auf Die Fünfte Hand und suchte das Gespräch mit Günter Porath, dem Projektkoordinator. Die Idee des Patenschaftsprojekts gefiel ihm, so dass er an einem Patenworkshop teilnahm und sich kurz danach dafür entschied, eine Patenschaft zu übernehmen. Jetzt lag es am Projektkoordinator, die passende Familie zu finden. „Ich dachte gleich an Familie B., als ich Richard kennenlernte. Es gibt viele Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten zwischen ihm und der Familie“, erklärt der erfahrene Sozialpädagoge. Denn auch Familie B. fasste nach einem längeren Auslandsaufenthalt gerade wieder Fuß in Deutschland. Der Vater ist aus beruflichen Gründen viel unterwegs, die Verwandtschaft wohnt verstreut und weit weg. So war der Wunsch groß, eine Art Omaersatz für die beiden Kinder zu finden. Aus der Oma wurde ein Opa – Richard wurde freudig in der Familie aufgenommen. „Unsere Kinder und Richard verstehen sich gut, an Wochenenden unternehmen wir ab und zu auch alle gemeinsam etwas“, sagt Frau B. Sie ist glücklich, jemanden gefunden zu haben, der in die Familie passt, der den Kindern seine Aufmerksamkeit schenkt und mit dem sie sich selbst austauschen kann. Inzwischen hat sie in Berlin einen neuen Job angenommen. „Ich kann jetzt viel entspannter meine Berufstätigkeit wieder aufnehmen, weil ich weiß, dass Richard uns als Familie unterstützt“, sagt sie. Auch Richard freut sich über den Familienanschluss: „Der Umgang mit meiner Patenfamilie bereichert mein Leben.“ Sein Neuanfang ist gelungen, inzwischen ist er in Berlin angekommen. Kurt R. entdeckt gemeinsam mit seinem Patenkind die StadtKurt R. ist im Ruhestand und gerne aktiv. Einen Teil der Zeit, von der er neuerdings mehr zur Verfügung hat, wollte er gerne einem Kind widmen und damit eine Familie stärken. Der Projektkoordinator Günter Porath fand die passende Familie für Kurt: eine alleinerziehende Mutter mit einer dreijährigen Tochter und einem Sohn im Teenageralter. Sie wünschte sich für ihren Sohn eine männliche Bezugsperson: „Mein Sohn weiß oft nicht, was er machen soll. Es wäre schön, wenn ihm jemand Anregungen geben könnte. Ein Pate, der mit ihm etwas unternimmt und ihm Dinge erklärt. Seine kleine Schwester braucht viel meiner Aufmerksamkeit, so dass ich Angst habe, ihm nicht gerecht zu werden.“ Was Kurt als Pate geben wollte, passte genau zu dem, was sich die Familie wünschte. „Ich möchte einiges von meinem Wissen weitergeben und junge Menschen für neue Dinge begeistern“, sagte er. Sein Patenkind nimmt sein Wissen gerne an, der 13-Jährige interessiert sich sehr für Geschichte und ist offen für Neues. Kurt kann ihm vieles erklären, gemeinsam entdecken sie die Stadt. Die Mutter freut sich über die Patenschaft: „Meinem Sohn tut es gut, Anregungen zu erhalten und mit Kurt Geschichte und Kultur in der Stadt zu erkunden“, sagt sie. Auch Kurt ist froh, dass er etwas weitergeben kann. So gewinnen beide Seiten von der Patenschaft. |
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